Sanierungswissen
Brauche ich nach dem Fenstertausch eine Lüftungsanlage?
Neue Fenster sparen Energie – können aber auch das Lüftungsverhalten eines Gebäudes verändern. Muss deshalb automatisch eine Lüftungsanlage eingebaut werden? Die Antwort lautet: Nein, aber es gibt wichtige Punkte zu beachten.
Brauche ich nach dem Fenstertausch eine Lüftungsanlage?
Viele Eigentümer hören nach dem Austausch ihrer Fenster zum ersten Mal den Begriff „Lüftungskonzept“. Häufig entsteht dann die Sorge, dass mit neuen Fenstern automatisch auch eine Lüftungsanlage eingebaut werden muss.
Das stimmt so nicht.
Allerdings verändert ein Fenstertausch das Lüftungsverhalten eines Gebäudes – und genau deshalb sollte das Thema frühzeitig betrachtet werden.
Warum neue Fenster das Gebäude verändern
Moderne Fenster sind deutlich dichter als ältere Modelle. Das ist auch gewollt, denn dadurch gehen weniger Wärme und Energie verloren.
Gleichzeitig entfällt jedoch der unkontrollierte Luftaustausch, der bei älteren Fenstern oft durch kleine Undichtigkeiten stattgefunden hat.
Die Folge: Feuchtigkeit bleibt länger im Gebäude und muss gezielt abgeführt werden.
Was ist ein Lüftungskonzept?
Ein Lüftungskonzept ist keine Lüftungsanlage.
Vielmehr handelt es sich um eine fachliche Prüfung, ob der notwendige Luftwechsel in einem Gebäude auch nach einer Sanierung noch sichergestellt ist.
Grundlage hierfür ist die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“.
Wann muss geprüft werden?
Ein Lüftungskonzept kann erforderlich werden, wenn durch Sanierungsmaßnahmen ein wesentlicher Teil der Gebäudehülle verändert wird.
Das betrifft beispielsweise:
- den Austausch eines größeren Teils der Fenster,
- umfangreiche Dachsanierungen oder
- energetische Maßnahmen an der Gebäudehülle.
Ob tatsächlich ein Lüftungskonzept notwendig ist, hängt von Art und Umfang der Maßnahmen sowie vom Gebäude selbst ab.
Heißt das automatisch, dass eine Lüftungsanlage eingebaut werden muss?
Nein.
Das ist einer der häufigsten Irrtümer.
Ein Lüftungskonzept untersucht zunächst, ob der notwendige Mindestluftwechsel auch ohne zusätzliche Technik gewährleistet werden kann.
Erst wenn dies nicht der Fall ist, kommen verschiedene lüftungstechnische Maßnahmen infrage.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt immer vom jeweiligen Gebäude ab.
Warum das Thema so wichtig ist
In einem Haushalt entsteht jeden Tag Feuchtigkeit – unter anderem durch:
- Duschen
- Kochen
- Wäschetrocknen
- Zimmerpflanzen
- die Bewohner selbst
Wird diese Feuchtigkeit nicht ausreichend abgeführt, kann sie sich an kalten Bauteilen niederschlagen. Langfristig können dadurch Feuchtigkeitsschäden oder Schimmel entstehen.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Je nach Gebäude können unterschiedliche Lösungen sinnvoll sein.
- regelmäßiges Fensterlüften,
- fensterintegrierte Lüftungssysteme,
- dezentrale Lüftungsanlagen oder
- zentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.
Welche Variante geeignet ist, hängt von der Bauweise, der Nutzung und dem energetischen Zustand des Gebäudes ab.
Unser Rat
Neue Fenster sind ein wichtiger Baustein einer energetischen Sanierung. Gleichzeitig verändern sie das Verhalten eines Gebäudes.
Deshalb sollte das Thema Lüftung immer mitgedacht werden. Ein Lüftungskonzept sorgt dafür, dass der notwendige Luftaustausch langfristig sichergestellt wird und hilft dabei, Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes Gebäude eine Lüftungsanlage benötigt.